Bilinguale inklusive Schule für blinde, sehbehinderte und sehende Kinder
Als Bello Garey 1998 ein Zentrum zur Förderung und Ausbildung von Blinden in Maroua gründete, war er im extremen Norden Kameruns einer der wenigen Blinden, die Braille-Schrift lesen und schreiben konnten. Sein Zentrum wurde rasch zur Anlaufstelle für Blinde und Sehbehinderte. Heute betreibt der von ihm gegründete eingetragene Verein CPFAM eine bilinguale inklusive Grundschule, in der etwa 180 Schülerinnen und Schüler, davon 16 mit Behinderung, unterrichtet werden. Außerdem betreut CPFAM 35 blinde und sehbehinderte Kinder in einem Internat, die in der inklusiven Schule oder in weiterführenden Schulen in Maroua unterrichtet werden.
In Kamerun führen behinderte Menschen ohne jegliche staatliche Unterstützung ein Leben ohne Perspektive und sind vielmals zur Passivität und zum Betteln gezwungen. Blinde werden aus abergläubischer Angst oft gemieden. Umso wichtiger ist es, nicht nur blinden und sehbehinderten Kindern Zugang zu Bildung zu verschaffen, sondern auch sehenden Kindern den Blick für die Bedürfnisse ihrer blinden Mitschülerinnen und MItschüler zu öffnen.
Der CPFAM ermöglicht über seine inklusive Schule und die Betreuung an weiterführenden Schulen nicht nur den Schulbesuch, sondern sorgt auch dafür, dass blinde und sehbehinderte Menschen Geburtsurkunden und Personalausweise erhalten, um zum Beispiel wählen gehen zu können, und arbeitet als Lobby-Organisation für die Belange von behinderten Menschen. Auch die Alphabetisierung älterer sehbehinderter Menschen ist eine wichtige Aufgabe des CPFAM, ebenso wie Fortbildungsmaßnahmen in Braille-Schrift und Gebärdensprache für angehende Lehrerinnen und Lehrer der Universität Maroua.
Schulform und Finanzierung
An der privaten Grundschule wird in 6 Jahrgangsstufen bis zur Grundschulprüfung bilingual in englischer und französischer Sprache unterrichtet. Eine École maternelle (Vorschule) nach französischem Vorbild nimmt drei- bis sechsjährige Kinder auf.
Die Eltern zahlen einen geringen Schulbeitrag, der zur Deckung der Kosten nicht ausreicht. Zum größten Teil finanziert sich die Schule über eigene Aktivitäten und über Spenden aus Deutschland. Vom staatlichen kamerunischen Bildungswesen erhält das CPFAM nur eine geringe Förderung.
Etliche der blinden Kinder, die den oft weiten Schulweg nicht meistern können, übernachten in einem Schlafsaal. Sie lernen die Braille-Schrift, erlernen die Orientierung mit Blindenstöcken und einfache handwerkliche Tätigkeiten und erhalten später Unterstützung beim Besuch weiterführender Schulen, zum Beispiel bei der Transkription der Prüfungsaufgaben in Braille und zurück.
So sollen sie die Chance auf ein wirtschaftlich eigenständiges Leben erhalten. Einige ehemalige Schüler sind inzwischen nach ihrem Studium als Lehrer an die Schule zurückgekehrt.